Hormone aus dem Speichel messen - ist kein Heilpraktiker-Dingsda

Regina Fischer • 1. August 2025

Warum der Speichel für einen Hormonstatus genauer ist: 


Hormonspeicheltest statt Blutabnahme – warum die moderne Hormontherapie auf Speichel setzt und warum das kein 'Heilpraktiker-Dingsda' ist:

 Wenn es um die Bestimmung des Hormonstatus geht, denken viele zuerst an eine klassische Blutabnahme. Doch für Frauen in den Wechseljahren oder bei Verdacht auf hormonelle Dysbalancen wie z. B. bei Hashimoto, Burnout oder chronischer Erschöpfung lohnt sich ein genauer Blick auf eine alternative, moderne Methode: die Hormonspeichelmessung.  Nicht alles, was im Blut messbar ist, ist auch für den Körper direkt wirksam.

Warum Speichel statt Blut?
 Hormone im Speichel liegen – anders als im Blut – fast ausschließlich in freier Form vor. Und genau diese freie Form ist entscheidend: Sie ist biologisch aktiv und direkt wirksam im Körper. Was nützen „normale“ Blutwerte, wenn sie lediglich die an Proteine gebundenen, also inaktiven Hormone zeigen?

 Im Blut sind Steroidhormone wie Progesteron, Östradiol oder Testosteron größtenteils an Transportproteine wie SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) oder Transcortin gebunden. Nur ein winziger Bruchteil – etwa 2–5 % – ist tatsächlich frei und kann vom Körper genutzt werden. Genau dieser Anteil wird im Speichel sichtbar.

Besonders wichtig bei transdermaler Hormontherapie
 Viele Frauen verwenden heute Progesteroncremes oder andere transdermale Hormone oder nehmen, aufgrund von Social-Media-Empfehlungen, Hormonkapseln intravaginal auf! Diese Hormone werden über die Haut aufgenommen und gelangen direkt in das Fettgewebe und von dort an die Zellrezeptoren – ohne den Umweg über das Blutplasma. Ein Großteil der Hormonmoleküle bindet sich dabei an die Membranen roter Blutkörperchen – also gerade nicht an das Serum, das bei Bluttests untersucht wird.

 Das Ergebnis: Im Blut lässt sich selbst nach mehrwöchiger Anwendung kaum ein Anstieg messen – obwohl der Körper längst ausreichend versorgt ist. Der Speicheltest zeigt hingegen bereits nach wenigen Stunden eine Veränderung.

Was macht die Speichelmessung so alltagstauglich?

   Schmerzfrei & unkompliziert: Keine Nadeln, keine Blutabnahme – einfach und diskret von zu Hause aus durchführbar.
     
   Stressfrei & zuverlässig: Cortisol, unser zentrales Stresshormon, reagiert empfindlich auf Stress – wie z. B. durch eine Blutabnahme. Die Speichelprobe vermeidet solche Verfälschungen.
    
     Unabhängig vom Fachpersonal: Die Probenentnahme kann selbstständig erfolgen – flexibel und zeitsparend. Und genau deshalb wird in ärztlichen Praxen lieber Blut abgenommen. Einfacher und schneller!


Welche Hormone sind im Speichel messbar? Besonders gut geeignet ist die Speichelanalyse für folgende Hormone:
     Cortisol – wichtig zur Beurteilung von Stressbelastung und Nebennierenfunktion und das lässt sich am Tag mehrfach messen!
     DHEA, Melatonin – wichtige Marker im Rahmen von Erschöpfung, Schlafproblemen, Burnout
     Progesteron, Östradiol, Östriol, Testosteron – zentrale Sexualhormone, deren Ungleichgewicht häufig für Beschwerden in den Wechseljahren verantwortlich ist

 Wann ist eine Blutuntersuchung sinnvoll?
> Natürlich gibt es auch Situationen, in denen eine Blutuntersuchung notwendig und sinnvoll ist – etwa bei der Beurteilung von Schilddrüsenhormonen oder Prolaktin. Diese Hormone sind nicht zuverlässig im Speichel messbar und benötigen andere diagnostische Wege.

 Eine gezielte Hormontherapie – z. B. in den Wechseljahren, bei chronischer Erschöpfung oder hormonellen Ungleichgewichten – lebt von einer präzisen Diagnostik. Die Speichelanalyse liefert ein realistisches Bild der aktiven Hormone, genau dort, wo sie wirken. Für Frauen, die sich eine sanfte und individuelle Behandlung wünschen, ist sie deshalb ein wichtiger Schlüssel zu mehr Wohlbefinden.

 Wird ein Hormon oral eingenommen, durchläuft es zunächst den Magen-Darm-Trakt und wird über die Leber verstoffwechselt – man spricht hier vom sogenannten First-Pass-Effekt. Das bedeutet: Ein erheblicher Anteil des Hormons wird bereits in der Leber abgebaut, bevor es überhaupt in den Blutkreislauf gelangt.

 Trotzdem ist ein Teil der Hormone im Blutplasma nachweisbar – allerdings hauptsächlich in der gebundenen Form. Und wie schon zuvor erklärt: Nur die freie, ungebundene Fraktion der Hormone ist für den Körper tatsächlich nutzbar und wirksam.

 ✅   Der Speicheltest ist immer die bessere Lösung, um erstmal die Werte zu bestimmen, bevor überhaupt therapiert wird!
 
 Mehr fachlichen Input findet Ihr u. a. hier: https://www.ladr.de/fuer-aerztinnen/fachinformationen/ladr-informiert/endokrinologie/hormonspiegel-im-speichel