Schilddrüsenhormon - nehmen oder nicht nehmen - das ist eigentlich nicht die Frage
Regina Fischer • 11. Februar 2026
Die merkwürdige Welt der Coaching-Industrie
Ist die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion unnatürlich?
Viele Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion hören früher oder später den Satz: „Hormone zu nehmen ist doch unnötig oder zumindestens unnatürlich.“ Besonders bei L-Thyroxin taucht dieser Gedanke häufig auf. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was hier eigentlich gemeint ist.
Medizin greift grundsätzlich in natürliche Prozesse ein, im Idealfall genau dann, wenn Regulation nicht mehr ausreichend funktioniert. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert der Körper nicht mehr genug Hormone, um Stoffwechsel, Energie, Temperatur, Konzentration und emotionale Stabilität zuverlässig zu steuern. Die Beschwerden, die entstehen, sind kein persönliches Versagen, sondern ein Signal: Der Körper kann diese Aufgabe allein nicht mehr erfüllen. Sofern die Co-Faktoren geklärt und ausgeglichen sind, die UF aber bestehen bleibt, dann spätestens sind
Schilddrüsenhormone wichtig oder unverzichtbar. Thyroxin ist ein Hormon, das der Körper selbst herstellt und täglich benötigt. L-Thyroxin ersetzt genau diesen Stoff, nicht mehr und nicht weniger. Es bringt dem Körper nichts „Künstliches“ bei, sondern stellt etwas zur Verfügung, das fehlt.
Eine verantwortungsvoll eingesetzte Schilddrüsentherapie ersetzt kein funktionierendes System. ABER: sie unterstützt ein überfordertes. Und genau darin liegt ihr Sinn. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Diabetes Typ 1 ohne Insulin zu behandeln. Warum tun sich also die Welt so schwer mit Schilddrüsentherapien?
Bioidentisch – was bedeutet das bei Schilddrüsenhormonen??
Der Begriff bioidentisch wird oft verwendet, um Medikamente zu beschreiben, die in ihrer chemischen Struktur dem körpereigenen Hormon genau entsprechen.
• Levothyroxin entspricht strukturell dem T4, auch wenn es synthetisch hergestellt wird.
• NDT ist natürlich gewonnen, enthält bioidentische Formen von T4 und T3 sowie andere hormonähnliche Stoffe direkt, ohne dass sie erst im Körper umgewandelt werden müssen. Aus ethischen Gründen für Veganer und Vegetarier eigentlich ungeeignet.
Beide Präparate beinhalten grundsätzlich hormonidentische Moleküle, unterscheiden sich aber in Zusammensetzung, Herkunft und Wirkprofil.
Keine Zeit, keine umfassende Einordnung, keine Erklärung, warum ihre Symptome trotz Therapie bestehen bleiben könnten. Dabei ist offensichtlich, dass Gewichtszunahme und Erschöpfung in solchen Fällen selten monokausal sind. Sie entstehen meist aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.
Hinzu kommt, dass vielen Betroffenen nicht bewusst ist, dass die Schilddrüse zwar eine zentrale, aber eben nicht die einzige Rolle im hormonellen Gefüge spielt. Dass der Körper eigentlich zwei Schilddrüsenhormone benötigt. Und dass weder in sozialen Medien noch und auch nicht in einer telefonischen Anfrage bei mir – geklärt werden kann, ob die Umwandlung des einen Hormons in das andere überhaupt ausreichend funktioniert. Und was sonst noch so im Ungleichgewicht ist.
Ich bin überzeugt: Wenn im kassenärztlichen System mehr Zeit für die Komplexität hormoneller Balance vorhanden wäre, insbesondere bei uns Frauen, würden viele dieser Social-Media-Gruppen gar nicht erst als medizinischer Ersatz gesehen werden.
Hormone funktionieren nicht linear. Und nachhaltige Lösungen entstehen nicht durch Absetzen, Weglassen oder Schuldzuweisungen an ein Hormon, sondern durch Verstehen, Einordnen und ein ganzheitliches Denken.
Viele Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion hören früher oder später den Satz: „Hormone zu nehmen ist doch unnötig oder zumindestens unnatürlich.“ Besonders bei L-Thyroxin taucht dieser Gedanke häufig auf. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was hier eigentlich gemeint ist.
Medizin greift grundsätzlich in natürliche Prozesse ein, im Idealfall genau dann, wenn Regulation nicht mehr ausreichend funktioniert. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert der Körper nicht mehr genug Hormone, um Stoffwechsel, Energie, Temperatur, Konzentration und emotionale Stabilität zuverlässig zu steuern. Die Beschwerden, die entstehen, sind kein persönliches Versagen, sondern ein Signal: Der Körper kann diese Aufgabe allein nicht mehr erfüllen. Sofern die Co-Faktoren geklärt und ausgeglichen sind, die UF aber bestehen bleibt, dann spätestens sind
Schilddrüsenhormone wichtig oder unverzichtbar. Thyroxin ist ein Hormon, das der Körper selbst herstellt und täglich benötigt. L-Thyroxin ersetzt genau diesen Stoff, nicht mehr und nicht weniger. Es bringt dem Körper nichts „Künstliches“ bei, sondern stellt etwas zur Verfügung, das fehlt.
Natürlich verändern sich Hormonleistungen im Laufe des Lebens. Auch die Schilddrüse kann mit den Jahren langsamer werden. Das allein macht eine Behandlung nicht automatisch notwendig, aber es macht sie auch nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist, ob die verminderte Hormonleistung zu anhaltenden Beschwerden, Stoffwechselverlangsamung oder hormonellen Folgeproblemen führt.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Blutzucker. Die Schilddrüse ist eng mit der Regulation des Blutzuckers verbunden. Eine Unterfunktion kann dazu führen, dass Energie schlechter verfügbar ist, Schwankungen entstehen und Stresshormone vermehrt einspringen müssen. Das belastet langfristig das gesamte hormonelle System und kann Erschöpfung, Gewichtszunahme und innere Unruhe verstärken.
Eine gut eingestellte Schilddrüsentherapie hat nicht das Ziel, den Körper „zu manipulieren“, sondern ihn zu entlasten. Sie unterstützt Stoffwechsel und Energiehaushalt dort, wo der Körper allein nicht mehr ausreichend regulieren kann. Entscheidend ist dabei immer eine individuelle Dosierung und eine regelmäßige Überprüfung und nicht das blinde Festhalten an Normwerten oder Dogmen.
Die Frage ist also nicht, ob eine Behandlung natürlich ist. Die entscheidende Frage ist, ob es sinnvoll ist, einen Mangel unbehandelt zu lassen, obwohl er den Alltag, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden deutlich einschränkt.
Bioidentisch – was bedeutet das bei Schilddrüsenhormonen??
Der Begriff bioidentisch wird oft verwendet, um Medikamente zu beschreiben, die in ihrer chemischen Struktur dem körpereigenen Hormon genau entsprechen.
• Levothyroxin entspricht strukturell dem T4, auch wenn es synthetisch hergestellt wird.
• NDT ist natürlich gewonnen, enthält bioidentische Formen von T4 und T3 sowie andere hormonähnliche Stoffe direkt, ohne dass sie erst im Körper umgewandelt werden müssen. Aus ethischen Gründen für Veganer und Vegetarier eigentlich ungeeignet.
Beide Präparate beinhalten grundsätzlich hormonidentische Moleküle, unterscheiden sich aber in Zusammensetzung, Herkunft und Wirkprofil.
Natürliches Schilddrüsenextrakt war die Standardtherapie bis in die frühen 1970er-Jahre, bevor synthetisches Levothyroxin, in den USA zumindest ab den 50-ern bekannt, weite Verbreitung fand.
Beide Formen unterliegen immer der Verschreibungspflicht.
Eine nachdenklich stimmende Geschichte dazu aus meinem Alltag:
Kürzlich erreichte mich eine Frage, die mich nachdenklich, traurig und ehrlich gesagt auch verärgert zurückgelassen hat.
Eine Frau, etwa in meinem Alter, Ende 50, bat mich telefonisch um Rat. Ihr wurde mit Ende 40 aufgrund eines Karzinoms die Schilddrüse entfernt. Seit einigen Jahren leidet sie unter einer deutlichen Gewichtszunahme von rund 15 Kilogramm sowie unter einer ausgeprägten, bleiernen Müdigkeit. Ihr konkreter Hilferuf war die Frage, ob sie ihr Schilddrüsenhormon absetzen solle, schließlich lese man in sozialen Netzwerken und entsprechenden Gruppen immer häufiger, dass L-Thyroxin mehr schade als nütze. Abgesehen einmal davon, dass es völlig unprofessionell und schlichtweg auch rechtlich nicht erlaubt wäre, so eine Frage als Heilpraktikerin zu bejahen. Es wäre mehr als unverantwortlich aufgrund eines Telefonates irgendetwas in einem komplexen Fall zu empfehlen.
Diese Frage hat mich zunächst wütend gemacht.
Nicht auf die Frau, sondern auf die Inhalte, die in sozialen Medien verbreitet werden. Wenn Menschen durch vereinfachende oder undifferenzierte Aussagen dazu gebracht werden, ein lebensnotwendiges Hormon -ohne eine Alternative zu haben - infrage zu stellen, ist das mehr als problematisch. Besonders dann, wenn es sich um eine Patientin ohne Schilddrüse handelt, deren Körper dieses Hormon vermutlich schlicht nicht mehr oder zu wenig selbst herstellen kann. Zum Vergleich: Niemand würde bei Diabetes Typ 1 das Hormon Insulin verteufel oder gar absetzen.
Gleichzeitig macht mich der Fall aber traurig.
Eine Frau, etwa in meinem Alter, Ende 50, bat mich telefonisch um Rat. Ihr wurde mit Ende 40 aufgrund eines Karzinoms die Schilddrüse entfernt. Seit einigen Jahren leidet sie unter einer deutlichen Gewichtszunahme von rund 15 Kilogramm sowie unter einer ausgeprägten, bleiernen Müdigkeit. Ihr konkreter Hilferuf war die Frage, ob sie ihr Schilddrüsenhormon absetzen solle, schließlich lese man in sozialen Netzwerken und entsprechenden Gruppen immer häufiger, dass L-Thyroxin mehr schade als nütze. Abgesehen einmal davon, dass es völlig unprofessionell und schlichtweg auch rechtlich nicht erlaubt wäre, so eine Frage als Heilpraktikerin zu bejahen. Es wäre mehr als unverantwortlich aufgrund eines Telefonates irgendetwas in einem komplexen Fall zu empfehlen.
Diese Frage hat mich zunächst wütend gemacht.
Nicht auf die Frau, sondern auf die Inhalte, die in sozialen Medien verbreitet werden. Wenn Menschen durch vereinfachende oder undifferenzierte Aussagen dazu gebracht werden, ein lebensnotwendiges Hormon -ohne eine Alternative zu haben - infrage zu stellen, ist das mehr als problematisch. Besonders dann, wenn es sich um eine Patientin ohne Schilddrüse handelt, deren Körper dieses Hormon vermutlich schlicht nicht mehr oder zu wenig selbst herstellen kann. Zum Vergleich: Niemand würde bei Diabetes Typ 1 das Hormon Insulin verteufel oder gar absetzen.
Gleichzeitig macht mich der Fall aber traurig.
- Traurig darüber, dass sie sich mit ihren Beschwerden offenbar alleingelassen fühlt. Sie erhält ein Schilddrüsenhormon und sonst nichts.
Keine Zeit, keine umfassende Einordnung, keine Erklärung, warum ihre Symptome trotz Therapie bestehen bleiben könnten. Dabei ist offensichtlich, dass Gewichtszunahme und Erschöpfung in solchen Fällen selten monokausal sind. Sie entstehen meist aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.
Hinzu kommt, dass vielen Betroffenen nicht bewusst ist, dass die Schilddrüse zwar eine zentrale, aber eben nicht die einzige Rolle im hormonellen Gefüge spielt. Dass der Körper eigentlich zwei Schilddrüsenhormone benötigt. Und dass weder in sozialen Medien noch und auch nicht in einer telefonischen Anfrage bei mir – geklärt werden kann, ob die Umwandlung des einen Hormons in das andere überhaupt ausreichend funktioniert. Und was sonst noch so im Ungleichgewicht ist.
Ich bin überzeugt: Wenn im kassenärztlichen System mehr Zeit für die Komplexität hormoneller Balance vorhanden wäre, insbesondere bei uns Frauen, würden viele dieser Social-Media-Gruppen gar nicht erst als medizinischer Ersatz gesehen werden.
Hormone funktionieren nicht linear. Und nachhaltige Lösungen entstehen nicht durch Absetzen, Weglassen oder Schuldzuweisungen an ein Hormon, sondern durch Verstehen, Einordnen und ein ganzheitliches Denken.